Wie das PERMA-Modell die Positive Psychologie beeinflusst
- Simon Former
- 23. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wie das PERMA-Modell große Lebensfragen in greifbare Handlungsfelder übersetzt.
Von der Reparatur zur Entwicklung
Die klassische Psychologie hat sich über viele Jahrzehnte stark auf Defizite, Störungen und Krankheitsbilder konzentriert. Erst mit dem Aufkommen der Positiven Psychologie – maßgeblich geprägt durch Martin Seligman – kam die Frage in den Mittelpunkt: Was macht das Leben lebenswert?
Die Positive Psychologie sucht nach Antworten auf Wohlbefinden, Sinn, Lebensfreude und psychische Gesundheit – abseits von Pathologien. Und ein Modell hat diesen Forschungszweig besonders geprägt: PERMA.

PERMA – ein Akronym mit Tiefgang
Martin Seligman formulierte PERMA als Modell des Wohlbefindens, das fünf grundlegende Faktoren umfasst:
P – Positive Emotionen: wie Freude, Dankbarkeit, Zuversicht
E – Engagement: Vertieftes Aufgehen im Tun, auch bekannt als Flow
R – Relationships: Starke, unterstützende soziale Beziehungen
M – Meaning: Das Empfinden, beitragender Teil von etwas Größerem zu sein
A – Accomplishment: Ziele verfolgen, erreichen und daran wachsen
Was PERMA besonders macht: Jedes Element ist unabhängig messbar, trägt eigenständig zum Wohlbefinden bei und kann gezielt gefördert werden.
Vom PERMA-Modell zur PERMA-Bewegung
PERMA wurde zur zentralen Struktur der Positiven Psychologie. Es gab Forschenden und Praktiker:innen ein gemeinsames Vokabular und ermöglichte, Wohlbefinden systematisch zu erfassen und zu entwickeln.
Das Modell beeinflusst heute:
Interventionen in Coaching und Therapie
Bildungsprogramme in Schulen
Führungskräfteentwicklung
Resilienzförderung in Organisationen
und nicht zuletzt: die Selbstführung jedes Einzelnen
Wissenschaftlich unterfüttert
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von PERMA-basierten Interventionen. Menschen, die ihre PERMA-Dimensionen gezielt entwickeln, berichten von mehr Lebenszufriedenheit, weniger Stress und größerer psychischer Stabilität.
Besonders spannend: PERMA lässt sich mit anderen Modellen wie Achtsamkeit, Selbstmitgefühl oder Resilienz wirkungsvoll kombinieren.
Praktische Anwendbarkeit: Vom Modell ins Leben
Das PERMA-Modell ist nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch praktisch hochwirksam, wenn es mit gezielten Reflexionen und Übungen verbunden wird. Ein zentrales Werkzeug ist der PERMA-Profiler, ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen, der die fünf Dimensionen messbar macht. Er bietet einen klaren Überblick über den aktuellen Stand des eigenen Wohlbefindens und zeigt gezielt Entwicklungsfelder auf.
Für die Praxis gibt es zahlreiche erprobte Interventionsübungen, die jede PERMA-Dimension ansprechen:
Positive Emotionen: Dankbarkeitsübungen oder „Three Good Things“-Tagebuch
Engagement: Flow-Erfahrungen bewusst analysieren und stärken
Relationships: Wertschätzende Dialogformate oder Beziehungstagebuch
Meaning: Sinnquellen reflektieren, Lebenslinien zeichnen
Accomplishment: Zielarbeit mit Stolz-Tagebuch oder Erfolgsjournal
Diese Übungen lassen sich sowohl im Einzelcoaching als auch in Team-Settings anwenden und sie fördern nicht nur Wohlbefinden, sondern auch Selbstführung und Wirksamkeit.
Führungsperspektive: PERMA-Lead als Erweiterung
Für Führungskräfte bietet sich mit PERMA-Lead eine spezifische Erweiterung des Modells an. Der österreichische Psychologe Markus Ebner hat untersucht, wie Führungspersonen durch gezielte Stärkung der fünf PERMA-Dimensionen das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden nachhaltig fördern können. Dabei steht nicht nur die eigene Selbstführung im Mittelpunkt, sondern auch die Wirkung auf andere. PERMA-Lead bietet somit eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Positive Leadership und macht Führung zu einem aktiven Beitrag zur kollektiven Resilienz und Arbeitszufriedenheit.
Fazit: Ein Kompass für gelingendes Leben
Das PERMA-Modell hat die Positive Psychologie nicht nur geprägt, es hat sie praxistauglich gemacht, indem es große Fragen in greifbare Handlungsfelder übersetzt.
Für Coaches, Berater:innen und Führungskräfte ist PERMA mehr als ein Modell: Es ist eine Einladung zur Gestaltung von persönlicher und kollektiver Entwicklung.



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